Sprechen
Im Säuglings- und Kleinkindalter speichert das Gehirn ab, welche Bewegungen Zunge, Lippen und Stimmbänder machen müssen, um eine bestimmte Silbe oder einen Laut zu erzeugen. Diese Bewegungen werden dann automatisiert, sodass ein gesunder Mensch im Alltag nicht überlegen muss, welche Bewegungen er zum Sprechen eines Wortes ausführen muss.
Sprechapraxie- Was ist das?
Bei einer Sprechapraxie sind die Bewegungsabläufe des Sprechens gestört.Werden die Gehirnareale, in denen die Bewegungsmuster gespeichert sind, gestört (z B durch einen Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma), dann tritt eine Sprechapraxie auf. Der Sprecher weiß, was er sagen möchte, es werden aber nicht die korrekten Bewegungen dafür abgerufen. Dies ist nicht durch eine Lähmung oder Muskelschwäche verursacht, die Bewegung kann unabhängig vom Sprechen ausgeführt werden (d.h. der Betroffene kann z B. die Lippen zusammenpressen, aber kein “p” mehr im Sprechen verwenden). Häufig treten parallel auch noch andere Störungen der Sprache, wie z.B. eine Aphasie, auf.
Was sind
mögliche Symptome?
Bei einer Sprechapraxie treten viele “Versprecher” auf. Es werden falsche Laute verwendet (z B. “Hampe” statt “Lampe”) oder die Laute klingen so stark verändert, dass sie nicht erkennbar sind. Die Betroffenen müssen häufig mehrmals ansetzen, um ein Wort herauszubringen, sodass es manchmal einem Stottern ähneln kann. Manchmal wird auch ein ähnliches Wort gesagt (z B. “Falsche” statt “Flasche”). Bei manchen Betroffenen können Laute mit einer ähnlichen Bewegung (z B. b, p, m) oder auch einzelne Laute gar nicht mehr produziert werden. Insgesamt klingt das Sprechen mühsam, stockend und ohne Betonung.
Ab wann ist eine
Behandlung sinnvoll?
Die Sprechapraxie ist für den Betroffenen sehr frustrierend, da er in seiner Kommunikation stark gestört ist. Das Mitteilen von Gedanken, aber auch das Äußern von Grundbedürfnissen, gelingt langsamer und ist häufig mühsam und von vielen Fehlern geprägt. Die Teilnahme an Gesprächen fordert daher viel Geduld von Betroffenen, aber auch von ihrem Gegenüber. Eine logopädische Behandlung ist darum immer empfehlenswert. Die besten Erfolge werden meist im ersten Jahr nach der Schädigung erreicht.
Behandlung von Sprech-apraxien
Zuerst stellt der Therapeut in einer ausführlichen Diagnostik fest, welche Laute und welche Bewegungsmuster betroffen sind. Diese werden dann schrittweise wieder erarbeitet. Die Reihenfolge der Laute und die Methode werden dafür individuell auf den Patienten abgestimmt. Es wird meist mit kleinen Einheiten wie Silben begonnen und nach und nach zu Wörtern und Sätzen übergegangen. Parallel lernt der Patient sich selbst Bewegungshilfen zu geben oder über Gestik und Mimik zusätzlich zu kommunizieren. In schweren Fällen kann ein Talker (eine Art Tablet mit Sprachausgabe) helfen, um dem Betroffenen eine einfachere Kommunikation zu ermöglichen.



Dysarthrie
Was ist das ?
Eine Dysarthrie ist eine nach Schädigung des Gehirns erworbene Sprechstörung, die beispielsweise aufgrund eines Schlaganfalls, eines Schädel-Hirn-Traumas, einer Hirnblutung, eines Hirntumors, oder aufgrund einer neurologischen Erkrankung wie Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose verursacht wird.
Was sind mögliche Symptome?
Bei einer Dysarthrie sind die Sprechbewegungen eingeschränkt, weshalb Artikulation von Sprechlauten verformt oder auch unverständlich verwaschen klingen. Dies kann sich in einer Schwächung, Verlangsamung oder falschen Koordination der Sprechmuskulatur (Zunge, Lippen, Kiefer) oder der Atmungsmuskulatur äußern. Des Weiteren ist die Stimmgebungsmuskulatur (Kehlkopf, Stimmbänder) beeinträchtigt.
In den meisten Fällen sind verschiedene Teilbereiche der Sprechmotorik mehr oder weniger beeinträchtigt. Beispiele hierfür könnten sein:
Gestörter Bereich Beispiel
Sprechatmung verkürzte Ausatemdauer, pathologische Atemmuster
Stimmklang heiser, behaucht, rau, gepresst
Aussprache undeutlich, verwaschen
Sprechrhythmus verlangsamt, abgehackt, Pausen
Sprechmelodie monoton
Begleitsymptome
Da eine reine Dysarthrie Einfluss auf das Sprechen hat, ist das Verstehen, Lesen und Schreiben im Gegensatz zur Aphasie intakt. Allerdings kann eine Dysarthrie im Zusammenhang mit einer Sprachstörung/Aphasie stehen.
Diese beiden Störungsbilder werden jedoch grundlegend unterschiedlich behandelt.
Wie wird eine Dysarthrie behandelt?
Zu Therapiebeginn ist eine gründliche Diagnostik erforderlich, um festzustellen, in welchen Teilbereichen welche Störung vorliegt. Nur dann ist eine gezielte Therapie möglich.
Je nach der zugrundeliegenden Erkrankung wird an der Verbesserung oder Erhaltung der am Sprechen beteiligten Funktionen gearbeitet. Der Fokus wird in der Therapie auf Atmung, Phonation, Prosodie und/oder Artikulation gelegt.
Da oftmals eine Dysarthrie durch eine degenerative Erkrankung verursacht wird, kann nicht immer mit einer Verbesserung der Sprechfunktionen gerechnet werden. Darum kann kompensatorisch ein Umgang mit elektronischen Sprechhilfen und unterstützender Kommunikation geschaffen werden.
Laryngektomie
Was ist das ?
Bei einer Laryngektomie (kurz LAREK) entfallen die Funktionen der Nase und des Kehlkopfes. Die Funktionen der Nase dienen zum einen als Atemweg und zum anderen dem Anwärmen, Anfeuchten, Filter, Reinigen, Riechen, Schmecken, sowie dem Schutz. Die Funktionen des Kehlkopfes dienen als Luftweg/Atemweg, als Schutz vor einer Aspiration (dem Eindringen von flüssigen oder festen Stoffen in den Atemweg während der Einatmung), als Trennung von Atem- und Speiseweg, aber auch als Stützfunktion und Stimmfunktion.
Wie kommuniziert ein Betroffener?
Es gibt zwei Methoden, wie der Patient unmittelbar nach einer OP kommuniziert:
Zum einen ist das die Pseudoflüsterstimme (1) und zum anderen eine nonverbale Kommunikation (2).
Die Pseudoflüsterstimme erfolgt ohne Lungenluft und auch ohne Stimme (Flüstern). Diese ist sehr leise, kann nur bei einer deutlichen Artikulation verstanden werden und der Gesprächspartner muss dem Gespräch aufmerksam zuhören.
Eine nonverbale Kommunikation meint mit Mimik und Gestik zu arbeiten oder gegebenenfalls über eine Schreibtafel oder einem Papier mit Stift zu kommunizieren.
Was sind die Ursachen einer Laryngektomie?
Die Ursachen für eine Laryngektomie sind in den meisten Fällen ein fortgeschrittenes Larynxkarzinom (Kehlkopfkrebs) oder ein Hypopharynxkarzinom (Schlundrachenkrebs). Eine Laryngektomie wird durchgeführt, wenn der Tumor für eine Strahlen- oder Chemotherapie bereits zu groß ist oder auf Nachbarorgane übergegriffen hat.
Was sind die Folgen?
Der Patient erhält zunächst eine Tracheotomie. Eine Tracheotomie ist ein operativer Eingriff, der am Hals durchgeführt wird, um das Tracheostoma anzulegen. Im weiteren Verlauf werden die Folgen im Detail erklärt:
- Stimmverlust und Sprechbeeinträchtigung (Folge davon: zunächst ist keine Stimmgebung möglich-sprachlos)
- Einatmung erfolgt über Tracheostoma, da die Nasenfunktion entfällt (Folgen davon: Die Luft kommt kälter in den Bronchien und Lungen an, die Nasenschleimhaut droht auszutrocknen, Geruchssinn und Schmecken sind eingeschränkt)
- Beeinträchtigung der Nahrungsaufnahme (Folge davon: vorerst Nasensonde, nach 14 Tagen und bei gutem Verlauf wieder Normalkost oder bei schlechtem Verlauf kann es zum Anlegen einer Magensonde führen)
- Radiologisch bedingte Veränderungen (durch Bestrahlung)
- Schädigung durch Chemotherapie
Wie sieht die Behandlung aus?
Der Patient begibt sich unmittelbar nach einer Operation in eine Rehabilitationsklinik, in der umgehend logopädische, ergotherapeutische, physiotherapeutische und psychische Behandlungen erfolgen. Nach Abschluss einer Reha erfolgt eine Weiterbehandlung. Dazu empfehlen wir, sich zusätzlich einer Selbsthilfegruppe für Kehlkopflose anzuschließen. Dabei berichten Betroffene über ihre Krankheit und die Patienten fühlen sich verstanden. Zudem kann man sich Ratschläge und Tipps geben lassen.
Bei der postoperativen Beratung werden dem Patienten drei Varianten erklärt (siehe Tabelle).
Ersatzstimme
Sprechen mit dem Elektrolarynx
Sprechen mit der Ösophagus-Ersatzstimme ohne Shuntventil (mittels Ructus=Rülps)
Sprechen mit der Ösophagus-Ersatzstimme mit Shuntventil
Vorteile
- relativ schnell erlernbar (eventuell ist schon kurz nach OP eine Kommunikation möglich)
- nicht anstrengend
- relativ schnelles Sprechen möglich
- körpereigene Ersatzstimme
- beim Sprechen beide Hände frei
- relativ gut verständlich
- keine gesundheitlichen Risiken
- keine zusätzlichen technischen Geräte
- körpereigene Ersatzstimme
- schnelle erlernbar
- lauteres Sprechen möglich
Nachteile
- keine körpereigene Stimme
- Patient ist von technischem Gerät abhängig
- Stimme klingt computerhaft
- beim Sprechen ist immer eine Hand besetzt, da das Gerät im Gesicht- oder Halsbereich angehalten werden muss
- schwer erlernbar (Dauer: Wochen/ Monate)
- verkürztes Sprechen
- geringe Lautstärke
- Fremdkörper zwischen Luft/ -und Speiseröhre
- Ventilklappe kann durch Nahrungsmittel verstopfen, kann undicht sein
- beim Sprechen muss immer die Halsöffnung (Tracheostoma) verschlossen werden (verschlossen mit Tracheostomaventil)
- größere psychische Belastung